Was ist die Nesselpollen-Allergie?

Brennen, Jucken und Quaddeln auf der Haut kennt wohl jeder, wenn eine Brennnessel versehentlich berührt wird. Eine Allergie ist das allerdings nicht. Diese kann aber durchaus gegen die Pollen der Nessel entstehen.

Nesselpollenallergie, Pollinosis, Heuschnupfen, Gräserpollenallergie, saisonal-allergische Rhinokonjunktivitis beziehungsweise saisonal-allergische Rhinitis oder Nesselallergie sind die Bezeichnungen für die Überreaktion des Immunsystems.

Pollenflugzeit der Nessel

Die Nesselallergie ist an sich selten, denn die Pollen haben eine geringe allergene Potenz. Tritt die Nesselpollenallergie aber auf, können sich von März bis April Symptome zeigen. Da die Nessel mehrere Blühphasen hat und ihren Pollen stoßweise abgibt, kann die Allergie phasenweise abklingen aber generell von Frühjahr bis weit in den Herbst auftreten.

Betroffene Regionen der Nesselpollen

Wegränder, die wilde Gartenecke, der Feldrand, der verwilderte Bereich im Garten: Brennnesseln treten nahezu überall auf. Hinzukommen andere Vertreter der Nessel, die sich als Pflanzenschmuck auf Balkonen und in Gärten finden.

Während der Pollenflugzeit lassen sich die Allergene im Freien also kaum vermeiden, da sie sich über den Wind verbreiten und die genügsame Nessel nahezu an jedem Ort wachsen kann.

Wie sehen die Nesselpollen aus?

Mit bloßem Auge nicht zu erkennen, zeigen sich die Nessel Pollen unter dem Mikroskop rundlich bis oval und haben längliche Ausstülpungen sowie Einkerbungen.

Kreuzallergene und Kreuzreaktionen der Nesselpollen-Allergie

Da die Nesselpollen eine sehr geringe allergene Potenz haben, lösen sie meist nur geringfügige Symptome aus. Zudem sind keine Kreuzallergene bekannt. Allerdings kann die Allergie gegen die Nessel durchaus als Folge oder in Verbindung mit Allergien gegenüber anderen Gräserpollen auftreten.

Was gibt es bei der Allergie gegen die Nessel zu beachten?

Die Nesselallergie ist ärgerlich und kann belastend sein, wird aber nur sehr selten gefährlich. Dennoch kann es vorkommen, dass sie langfristig zu allergischem Asthma führt.

Auch die eigentliche milde Nesselpollenallergie sollten Sie daher ernstnehmen und nicht unbehandelt bestehen lassen.

Welche Symptome treten bei der Nesselpollen-Allergie auf?

Typisch für alle Pollenallergien sind Symptome im Bereich der oberen Atemwege, so auch bei der Nesselallergie. Charakteristisch sind:

  • Augen: Tränenfluss, Juckreiz, Rötungen und Schwellungen können auftreten.
  • Nase: Häufiges Niesen, die Nasenschleimhaut schwillt an und die Nase läuft.
  • Reizungen: Husten, Hautausschläge, Juckreiz und wunde Stellen sind möglich.
  • Allgemeinbefinden: Die Allergie gegen Brennnesseln ist lästig und kann bei besonders hoher Pollendichte zu Atembeschwerden und damit zu Schlafstörungen und einer insgesamt verringerten Leistungsfähigkeit führen.

Was hilft gegen die Nesselpollen-Allergie?

Die recht selten auftretende Nesselallergie ist belastend, jedoch auch gut behandelbar. Ihnen stehen hierzu verschiedene Mittel und Maßnahmen zur Verfügung.

Hausmittel gegen die Nesselpollen-Allergie

Besonders sanft und dennoch wirksam, sind Hausmittel gegen die Nesselallergie. Bewährt haben sich:

  • Salzwasser: In Verbindung mit einer Nasendusche, zur Inhalation oder dem Gurgeln ist Salzwasser stetig griffbereit und wirksam. Es entfernt die Pollen von den Schleimhäuten, befeuchtet diese zugleich und hilft dabei, Reizungen zu lindern.
  • Kühlen:Feucht-kalte Kompressen auf den Augen und kalte Güsse wirken gegen die Schwellungen und reduzieren zugleich die Anzahl der Pollen auf der Haut.
  • Hygiene: Ein Kleidungswechsel beim Betreten der Wohnung, das häufige Waschen der Hände und des Gesichts hält zumindest Ihren Körper und Ihre Wohnung allergen-arm.
  • Sauna:Regelmäßige Saunagänge – möglichst ohne Aufgüsse mit ätherischen Ölen – regulieren das Immunsystem und stärken den Organismus.

Medikamente

Lässt sich der Kontakt zu den Allergenen der Nessel nicht vermeiden, können Antihistamine die Symptome lindern. Wirkstoffe wie Loratadin und Cetirizin sind in Form von Tropfen, Sprays und Tabletten erhältlich.

Diese sollten Sie bei zunehmenden oder einschränkenden Symptomen anwenden und während der Pollenflugzeit vor Aufenthalten im Freien.

Natürliche Mittel und alternative Behandlungsformen gegen die Nesselpollen-Allergie

  • Traditionelle Chinesische Medizin, Bachblüten, Homöopathie und Schüssler Salze: Die ganzheitlichen Behandlungsmethoden lindern nicht nur die Symptome an sich, sondern verringern die Allergiestärke.
  • Ernährung: Omega-3-Fettsäuren, Aminosäuren, Vitamine und Mineralstoffe regulieren das Immunsystem und reduzieren damit die Allergieneigung.
  • Aloe Vera, Manuka Honig und Propolis: Eine Kur mit diesen natürlichen Mitteln wirkt immunregulierend und damit abschwächend auf die Nesselallergie.

Immunisierung gegen die Nesselpollen

Ärztlich durchgeführt ist die Immunisierung beziehungsweise Hyposensibilisierung eine erfolgsversprechende Therapie gegen die Nesselpollenallergie. Hierbei wird der Körper mit geringen Mengen der Allergene konfrontiert und kann sich dadurch allmählich daran gewöhnen, wodurch keine Überreaktion provoziert wird. Das erfordert zwar etwas Geduld, ist langfristig aber oftmals ausgesprochen wirkungsvoll.

Entspannungstechniken erlernen

Stress verschlimmert viele Krankheiten, so auch die Nesselallergie. Zudem kann sich bei einem längeren Bestehen der Allergie eine Art Konditionierung einschleichen. Bei dieser reicht dann der Anblick eines Nessel-Bildes oder einer ähnlichen Pflanze, um die Symptome auszulösen – der Körper reagiert also auch ohne vorhandene Allergene allergisch.[ p]

Für Allergiker ist es daher sinnvoll, Entspannungstechniken zu erlernen und regelmäßig anzuwenden. Bereits fünf Minuten Atemmeditation täglich reichen für eine Verbesserung aus. Ebenso aber Yoga, autogenes Training oder progressive Muskelrelaxation.

Pollen reduzieren

Da die Nessel eine weitverbreitete Pflanze ist, lässt sich der Pollenkontakt zumindest im Freien nur schwer vollständig vermeiden. Drinnen können Sie die Konfrontation mit den Allergenen allerdings durchaus einschränken.

  • Kleidung: Waschen Sie diese häufig und wechseln Sie sie direkt nachdem Betreten der Wohnung. So befreien Sie sich von den meisten Pollen, die sich während der Flugzeit automatisch darauf ansammeln.
  • Körper: Bereits das Waschen von Händen und Gesicht bei jeder Herkunft kann die Symptome lindern. Abends sollten Sie zudem duschen, die Haare waschen und eine Nasendusche benutzen. Das begünstigt erholsamen Schlaf auch bei hohem Pollenaufkommen in der Luft.
  • Fenster: Pollenschutzgitter an Fenstern und Türen erlauben Ihnen das Lüften, ohne mit der Frischluft auch Unmengen an Pollen in die Wohnung zu lassen.
  • Haushalt: Häufiges Saugen mit einem HEPA-Filter-Staubsauger, regelmäßiges, feuchtes Wischen und der Verzicht auf allzu viele Wohntextilien und Staubfänger reduziert die Pollenmenge in den vier Wänden.
  • Garten: Hobbygärtner sollten auf Nesseln verzichten und die ohnehin unerwünschten Brennnesseln vor der Blüte entfernen. Wurde dieser Moment verpasst, kann das Jäten mit einem Mundschutz oder einer Atemmaske nachgeholt werden.

Woher wissen Sie, dass Sie die Allergie gegen Nesseln haben?

Da die Nessel über eine lange Zeit hinweg Pollen abgibt – und zwar wenn eine Vielzahl anderer Pflanzen ebenfalls blühen – ist die Allergie häufig schwer zu erkennen und ebenso schwer auf die Nessel einzugrenzen. Eindeutigen Aufschluss bringt daher nur ein ärztlicher Allergietest.

Hinweis: Um das Ergebnis der Allergietestung nicht zu verfälschen, sollten Sie vor der Untersuchung auf Allergiemedikamente verzichten.

Quellen

  • Feigen kreuzreagieren mit Birkenpollen. In „Ärzte-Zeitung“, (2010), 150, ISSN 0175-5811
  • Hyposensibilisierung gegen Birkenpollen. In „Ärzte-Zeitung“, (2008), 225, ISSN 0175-5811
  • SLIT wirksam bei Birkenpollen-Allergie. In „Versicherungsmedizin“, 67(2015), 01, ISSN 0933-4548
  • Allergien: Achtung Birkenpollen. In „Deutsches Ärzteblatt“, 112(2015), 17, ISSN 0012-1207
  • Joachim Rassow: Biochemie : … 50 Tabellen. Thieme, 2008, ISBN 3131253525
  • Allergierate steigt in Deutschland. In „Ärzte-Zeitung“, (2011), 40, ISSN 0175-5811
  • Pollenallergiker gesucht. In „Ärzte-Zeitung“, (2005), 108, ISSN 0175-5811