Binge eating – Was ist das?

Binge Eating

Was ist Binge Eating?

Leider handelt es sich hierbei nicht um eine tolle neue Wunderdiät, sondern um ein ernstes und trauriges Thema. Die Bezeichung Binge eating, auch: binge eating disorder (BED), lässt sich am besten mit „Essattacke“ übersetzen. Warum lohnt es sich darüber zu reden? Hat so was nicht jeder schon mal erlebt? Ja und Nein. Natürlich isst man gelegentlich mal zuviel. Vor allem an Festtagen wie Weihnachten passiert das schon mal schneller, als man möchte. Aber Binge eating meint eine konkrete Essstörung, die in Deutschland mittlerweile mit am weitesten verbreitet ist. Man geht davon, dass etwa fünf Prozent der Bevölkerung davon betroffen sind, egal ob Mann oder Frau. Das ist schon eine beachtliche wie auch alarmierende Menge! Und das Problem ist nicht so leicht zu erkennen.

Binge eating = Frustessen?

Der Begriff des Frustessens ist den meisten Menschen ganz geläufig; irgendwie hört es sich auch schon fast normal an, dass man sich bei Liebeskummer mit einer ganzen Packung Eiskrem trösten kann. Was so harmlos klingt, beschreibt die Essstörung allerdings im Grunde schon ganz gut. Gegessen wird, weil man damit etwas kompensieren möchte, weil man sich trösten möchte, irgendein seelisches Loch meint füllen zu müssen, weil man frustriert ist über sein Körpergewicht oder weil man sonstige berufliche oder private Probleme hat, aus denen heraus man sich in ständige Essattacken flüchtet.

Binge eating: Einmal die doppelte Menge, bitte!

Bei dieser Form der Essstörung verschlingen die Betroffenen hastig eine so große Menge an Nahrungsmitteln, die sie unter normalen Umständen gar nicht schaffen würden. Dabei haben die Betroffenen das Gefühl, keinerlei Kontrolle mehr über die Attacke zu besitzen. Sie können einfach nicht aufhören zu essen.Wenn solche Heißhungerattacken regelmässig mehrmals im Monat auftreten, spricht der Fachmann vom Hinge–Eating-Syndrom.

Binge Eating Syndrom Unterschied zur Bulimie

Im Gegensatz zur Bulimie, wo es ebenfalls zu solchen Essanfällen kommt, wird hierbei aber nicht versucht auf irgendeine drastische Art (z.B. durch Erbrechen, sehr gezügeltes Essen an anderen Tagen oder übermäßig viel Sport) sein Körpergewicht zu regulieren. Weil bei so einem Essanfall im Durchschnitt etwa 4000 kcal aufgenommen werden, sind oder werden die vom Binge–Eating-Syndrom Betroffenen oft sehr schnell übergewichtig. Das ist ein wichtiges Merkmal, dass die beiden Essstörungen (Binge eating vs. Bulimie) voneinander unterscheidet.

Binge eating wird oft durch Übergewicht provoziert

So paradox es auch klingt: Übergewicht kann auch ein Auslöser für solche Attacken sein. Hinterher fühlen sich die Betroffenen zwar oft noch schlimmer als vorher, schämen sich, nehmen weiter zu und werden immer unzufriedener, aber sie finden für sich keine andere Möglichkeit mehr, mit ihren Problemen umzugehen. Ein wahrer Teufelskreis wird in Gang gesetzt, dem man nur entkommen kann, wenn man in der Tiefe herausfindet, was genau man da eigentlich versucht, mit dem Essen zu ersticken.

Psychotherapie gegen Binge Eating

Darüber sprechen ist der erste große Schritt. Vielleicht kann das Gespräch mit einem guten Freund schon zur Lösung beitragen. Doch in vielen Fällen ist es ausweglos, Binge eating selbst behandeln zu wollen. Dann ist die Hilfe eines erfahrenen Therapeuten unerlässlich, gerade wenn es darum geht das eigentliche Problem anzugehen. Denn wie gesagt, die Essstörung ist nur ein Symptom eines anderen, ganz individuellen psychischen Problems. Es muss dabei nicht unbedingt etwas mit Essen zu tun haben. Beispielsweise kann mangelndes Selbstwertgefühl der Auslöser sein. Es kann aber auch Dauerstress am Arbeitsplatz sein, mit dem man nicht umzugehen weiß. Oder man hat die Trauer über den Verlust eines wichtigen Menschen sprichwörtlich nicht verdaut. Ein Verlust, über den dann die Essattacke hinwegtröstet.

Binge eating kann viele Ursachen haben

Es gibt nicht nur DAS eine Problem, dass zu einer Essstörung führt. Aber das muss man selbst für sich herausfinden.Wenn man es anpackt und einen Weg für sich findet, dann verschwindet die Essstörung oft ganz nebenbei. Also, nur Mut! Wie gesagt: Darüber reden kann sehr heilsam sein. Das Wichtigste ist, sich nicht zu verstecken und zu meinen, man müsse alleine mit dem Problem fertig werden. Betroffene sollten sich einen Ruck geben und mit dem eigenen Partner, den besten Freunden oder mit einem Therapeuten Ursachenforschung zu betreiben. Den Auslöser für das Problem ausfindig zu machen, ist mehr als die halbe Miete, wenn es darum geht, sich aus dem Teufelskreis des Binge-Eating-Syndroms zu befreien.

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