Lavaerde zur Haarpflege Sie juckt, fühlt sich heiß an oder schuppt sich – wer eine empfindliche Kopfhaut hat, kennt diese Probleme. Häufig handelt es sich dabei um eine Reaktion auf die aggressiven Tenside in handelsüblichen Shampoos. Doch was macht man, wenn man Shampoos nicht verträgt? Die Antwort kommt aus Marokkos Atlasgebirge.

Lavaerde

Was ist Lavaerde?

Der Atlas liegt zwischen der nordafrikanischen Küste und der Sahara und ist ein für den afrikanischen Kontinent ungewöhnlich rohstoffreiches Hochgebirge. Neben Eisenerz, Kupfer und Quecksilber gewinnt man dort auch Lavaerde. Diese stammt allerdings nicht aus dem Inneren eines Vulkans, sondern aus riesigen unterirdischen Stollen in der marokkanischen Region Ksabi. „Lava“ leitet sich in diesem Fall von dem lateinischen Wort „lavare“ ab, was auf Deutsch „waschen“ bedeutet. Das Gleiche gilt für den ebenfalls gebräuchlichen Begriff „Ghassoul“, also die arabische Bezeichnung der Tonerde. „Ghassoul“ leitet sich vom arabischen Verb „ghassala“ und bedeutet ebenfalls „waschen“.

Nachdem sie abgebaut wurde, wird die Tonerde erst an der Sonne getrocknet und anschließend fein gemahlen. Das Pulver vermischt man mit Wasser und nutzt es zur Reinigung von Körper und Haaren. In Nordafrika setzt man die Wascherde dafür schon seit dem Altertum ein. Sie war damals so populär, dass Karawanen den gesamten Nahen Osten mit dem gemahlenen Steinpulver belieferten. Auch in Europa findet Ghassoul immer mehr Anhänger, reinigt es doch sehr sanft und vollkommen natürlich.

Als Lavaerde bezeichnet man verschiedene Gesteine, die entweder allein oder gemischt unter diesem Namen angeboten werden. Zu diesen Gesteinen gehören Kaolin, Hectorit, Montmorillonit und Smectit. Während Kaolin und Montmorillonit der Wascherde eine weiße Farbe geben, sind Hectorit und Smectit hellbraun.

So funktioniert Lavaerde zur Haarpflege

Lavaerde reinigt auf eine andere Art und Weise als herkömmliche Shampoos, nämlich physikalisch. Sie wird mit Wasser angerührt, wobei sie aufquillt und eine gelige Konsistenz annimmt. Auf die Kopfhaut aufgetragen, bindet diese Paste Schmutz und Fettartikel auf der Kopfhaut und im Haar. Spült man die Erde wieder aus, entfernt man auch die Verunreinigungen und zurück bleibt sauberes, glänzendes und fülliges Haar. Da sie keine Tenside enthält, greift Lavaerde den Säureschutzmantel der Haut nicht an und trocknet sie nicht aus. Die Folge: Kopfhaut und Haare werden sauber, ohne gereizt zu sein.

Die Wirkung der Lavaerde beschränkt sich nicht auf die Haare: Sie können sie zur Reinigung des gesamten Körpers und sogar als Gesichtsmaske verwenden. Sie eignet sich besonders gut bei unreiner, sensibler oder trockener Haut, da die Tenside in Shampoos und Duschgels diese häufig austrocknen. Auch allergiegeplagte Haut profitiert davon. Wenn Ihre Haare schnell nachfetten oder schuppig sind, hilft Ihnen die Lavaerde ebenfalls. Vorsichtig müssen sie nur bei chemisch behandeltem Haar sein. Gefärbte Haare, Strähnchen und Dauerwelle vertragen sich nicht mit der Wascherde.

Wie wäscht man seine Haare mit Lavaerde?

Lavaerde gibt es in unterschiedlicher Form im Handel. Kaufen Sie das reine, lose Pulver, wenn Sie Ihr Lavaerde-Shampoo selbst anrühren möchten. Dies bedeutet zwar etwas Arbeit, aber dafür erhalten Sie ein natürliches Produkt ohne Zusatzstoffe. Dies ist für sensible Haut am bekömmlichsten. Einige Naturkosmetikhersteller bieten Lavaerde in Pastenform an. Diese können Sie aus der Tube direkt auf die Kopfhaut auftragen. Sie enthält häufig weitere Wirkstoffe, zum Beispiel Extrakte der Indischen Lotusblume, der Blätter des Niembaums oder des Patschulis. Allergiker sollten dabei genau auf die Inhaltsstoffe schauen: Häufig enthalten die fertigen Mischungen auch Konservierungsstoffe wie Alkohol oder sind mit Duftstoffen angereichtert.

Mischen Sie das Lavaerde-Shampoo selbst, empfiehlt sich ein Mischungsverhältnis von 1 zu 1 oder 1 zu 2. Testen Sie selbst aus, welche Konsistenz die beste für Sie ist. Geben Sie etwas mehr Wasser oder aber mehr Pulver hinzu, wenn Sie das Gefühl haben, dass das Shampoo zu zäh bzw. zu flüssig ist. Haben Sie trockene Haare, fügen Sie einige Tropfen Oliven- oder Klettenwurzelöl hinzu. Lassen Sie die Paste einige Minuten ziehen, bevor Sie sie verwenden.

Machen Sie Ihre Haare nass und geben Sie die Paste auf die Kopfhaut. Massieren Sie sie vorsichtig ein. Anders als bei normalen Shampoos schäumt die Wascherde nicht. Dies ist am Anfang gewöhnungsbedürftig. Lassen Sie die Paste anschließend ein bis zwei Minuten einwirken und waschen Sie sie dann wieder aus. Seien Sie bei längeren Einwirkzeiten vorsichtig: Trocknet die Erde auf dem Kopf, kann es unter Umständen schwierig werden, sie wieder zu entfernen.

Nach dem Auswaschen empfiehlt sich eine saure Rinse, um eventuelle Rückstände der Erde zu entfernen. Mischen Sie dafür etwa 1 Liter Wasser mit 2 Esslöffeln Apfelessig und geben Sie die Flüssigkeit über Ihre Haare. Spülen Sie die Haare nicht aus, der Geruch des Essigs verfliegt beim Trocknen.

Wenn Sie zum ersten Mal mit Lavaerde-Shampoo waschen, kommen Ihre Haare im ersten Moment vielleicht nicht sofort damit zurecht. Sie wirken dann strohig oder strähnig. Dies sollte sich aber nach mehrmaliger Anwendung geben, sobald die Kopfhaut sich an die physikalische Reinigung gewöhnt hat.

Lavaerde eignet sich im Übrigen auch als Trockenshampoo, wenn Sie die nächste Haarwäsche noch einen Tag herauszögern möchten. Geben Sie dafür etwas Pulver ins Haar und massieren Sie es darin ein, vor allem am Haaransatz. Kämmen Sie die Erde anschließend aus und frisieren Sie Ihr Haar wie gewohnt.

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