Tattooentfernung durch PicoSure & Co.

Tattoo entfernen mit Laser

Wer seinen Körper verschönern möchte, nutzt dazu entweder permanente Methoden (sogenannte Body Modification) oder temporäre Alternativen. Sowohl zur vorübergehenden Veränderung als auch bezüglich der dauerhaften Verschönerung stehen zahlreiche Techniken zur Verfügung – Tätowierungen (oder Tattoos), Piercings und Brandings zählen im Bereich der dauerhaften Modifikationen zu den beliebtesten Techniken.

Tätowierungen bleiben für immer – aber was ist, wenn man Jahre später die Entscheidung doch noch bereut? Welche Möglichkeiten gibt es, um eine Tätowierung wieder zu entfernen? Die Fragestellung hat vor allem vor dem Hintergrund der gewachsenen Popularität von Tätowierungen mehr und mehr an Bedeutung gewonnen, denn bisher waren die Möglichkeiten zur Tattooentfernung begrenzt. Erst durch die Entwicklung von PicoSure, einem effektiven Verfahren im Bereich der Kaltlaser, wurde hier auch die Entfernung von Tätowierungen möglich, die bis dahin nur schwer oder gar nicht entfernt werden konnten. Grund hierfür ist das tiefe Eindringen der tätowierten Farbe in die Haut.

Technik des Tätowierens

Bei einer Tätowierung wird die Farbe langfristig in die Epidermis (Oberhaut) und Dermis (Lederhaut) eingebracht. Nur dadurch wird gewährleistet, dass die Farbpigmente nicht abgebaut und durch körpereigene Vorgänge abtransportiert werden– denn das würde zum Verblassen und Verschwinden der Tätowierung führen.

Um die Farbe an die richtige Stelle zu bringen, benutzen Tätowierer mehrere Nadeln. Zwischen den Nadeln befindet sich aufgrund des Kapillareffektes die flüssige Farbe: Beim Einstechen in die Haut transportiert die Tätowiermaschine die Farbe in die Dermis – die Nadeln sind hierbei nur Mittel zum Zweck, um den Weg der Farbe in die richtige Hautschicht zu ebnen. Fehlerhaft gestochene Tattoos beruhen in den meisten Fällen darauf, dass die Farbe anstatt in die Lederhaut nur in die oberste Hautschicht eingebracht wird. Dies führt dazu, dass durch hautspezifische Erneuerungsvorgänge die Farbe innerhalb von vier Wochen komplett abgebaut wird.

Gesundheitliche Aspekte von Tätowierungen

Da eine Tätowierung zwingend eine oberflächliche Verletzung der Hautschichten voraussetzt, ist eine hygienische Arbeitsweise unbedingt angezeigt. Bei Nichteinhalten der Kette von Sterilisation, Desinfektion und Reinigungsmaßnahmen sind Infektionen möglich. Besonders die verwendeten Nadeln sind dabei potenzielle Überträger von ansteckenden Krankheiten. Ein qualitativ gut arbeitender Tätowierer greift daher auf Einmalnadeln zurück; dies sollte bei der Wahl des Tätowierstudios berücksichtigt werden und eine übergeordnete Rolle spielen.

Obwohl Tätigkeiten, bei denen es zu einer Verletzung der Haut- bzw. Schleimhaut kommt, dem Infektionsschutzgesetz unterliegen, findet eine umfassende Kontrolle durch Behörden in der Regel nicht statt. Um das Risiko einer übertragbaren Krankheit zu minimieren, sollten daher auch Kunden von Tätowierstudios aufmerksam und kritisch die Rahmenbedingungen und Arbeitsweise abwägen.

Problematisch sind häufig auch die verwendeten Farben. Viele Farbstoffe haben sich in den letzten Jahren als schwermetallhaltig und gesundheitsschädlich erwiesen. Da zum Teil auch krebserregende Inhaltsstoffe enthalten waren, ist 2009 die Tätowiermittel-Verordnung in Kraft getreten.

Entfernungsmöglichkeiten einer Tätowierung

Obwohl Tätowierungen im allgemeinen Verständnis als lebenslanger Körperschmuck gelten, ist eine Entfernung aufgrund der technischen Fortschritte in den letzten Jahrzehnten möglich. Hierbei stehen verschiedene Techniken zur Verfügung.

Der Wunsch, einmal erfolgte Tätowierungen wieder rückstandslos verschwinden zu lassen, hat in der Vergangenheit zum Teil zu skurrilen Ansätzen geführt. Versuche mit Milchsäure und anderen Chemikalien können dabei zwar die farbtragenden Hautschichten abtragen – allerdings ist hier das Risiko einer Vernarbung und der entsprechenden optischen Beeinträchtigung enorm hoch. Gleiches gilt für andere Methoden, bei denen die Hautschichten abgeschliffen werden: Auch hier ist die Narbenbildung in der Regel übliche Nebenwirkung der Behandlung.

Entfernung durch herkömmliche Laser

Die älteste Möglichkeit, um Tätowierungen wieder zu entfernen, ist der Einsatz eines konventionellen Lasers (sogenannte Nanosekundenlaser). Obwohl Laserbehandlungen allgemein zu den schmerzfreien und subjektiv gut verträglichen medizinischen Therapiemöglichkeiten zählen, ist der Einsatz zur Entfernung von Tätowierungen häufig mit Schmerzen verbunden. Dies liegt vor allem an der Hitzeentwicklung, die durch den Einsatz des Lasers entsteht – die Schmerzen werden im Anschluss an die ambulante Behandlung durch Kühlen symptomatisch behandelt.

Bei der Entfernung mit Nanosekundenlaser werden in mehreren Sitzungen durch Lichtimpulse die in der Haut befindlichen Farbpigmente „gesprengt“. Diese zerfallen in ihre Bestandteile und werden dann in den nächsten Tagen und Wochen durch Makrophagen und das Lymphsystem abgebaut und entfernt.

Nachteil beim Einsatz von herkömmlichen Lasern: Aufgrund der eingeschränkten Wellenlänge der verwendeten Laser können bei der Tattooentfernung nicht alle Farben in gleichem Umfang optimal zerstört werden. Es kommt dann zum Teil nur zu verblassten Partien, die optisch kein zufriedenstellendes Ergebnis darstellen.

Entfernung durch Rubinlaser

Auch bei der Entfernung von Tätowierungen durch einen Rubinlaser treten die genannten Probleme bezüglich der kompletten Entfernung aller Farben auf. Besonders bei den Farben rot, gelb, weiß und orange ist es bei der Verwendung eines Rubinlasers fast unmöglich, ein befriedigendes Resultat zu erzielen.

Tattoo-Entfernung durch PicoSure

Die technischen Fortschritte haben in den letzten Jahren auch zur Weiterentwicklung von Techniken geführt, die Tätowierungen zuverlässig und optisch überzeugend entfernen können. Hervorzuheben ist hierbei die Anwendung von PicoSure, einem Picosekundenlaser, der erstmals 2013 zugelassen wurde. Im Gegensatz zu den genannten herkömmlichen Lasern ist eine Tattooentfernung mit PicoSure sehr viel schneller und vor allem auch mit deutlich besserem Ergebnis möglich.

Anwendungsmöglichkeiten von PicoSure

Während Rubin- und herkömmliche Laser besonders im Wellenspektrum der gelben und roten Farben Schwierigkeiten bei der vollständigen Zerstörung der Farbpigmente zeigen, ist bei der Anwendung mit PicoSure auch in diesem Farbbereich eine überzeugende Entfernung gegeben.

Der Einsatzbereich von PicoSure beschränkt sich nicht nur auf die Tattooentfernung, sondern ermöglicht zusätzlich auch die Entfernung von Aknenarben, Falten und Pigmentierungen unterschiedlicher Art.

Besonders hervorzuheben ist die Entfernung von grüner Tattoofarbe – diese war bisher unabhängig von der eingesetzten Technik – so gut wie unmöglich. PicoSure kann durch sein weites Einsatzspektrum auch diese „Problemfarbe“ rückstandslos entfernen und stellt somit einen weiteren Schritt zur vollständigen Entfernung ungewollter Tätowierungen dar.

Eine Studie der Thomas Jefferson University in Philadelphia (USA) hat 2015 die Effektivität und Zuverlässigkeit von PicoSure auch wissenschaftlich nachgewiesen. Die Untersuchung zeigt eindrucksvoll, dass durch die Entwicklung von PicoSure die bis dato komplizierte und aufwendige Tattooentfernung in wenigen Sitzungen und ohne Narbenbildung möglich ist.

Vorgehensweise

Im Gegensatz zu anderen Laserbehandlungen arbeitet PicoSure nicht nur ausschließlich auf photothermischer Basis, sondern nutzt darüber hinaus auch die durch die Druckwellen des Lasers erzeugte Energie, um die Farbpigmente in der Haut zu zersetzen. Zwar sind auch hier in Abhängigkeit von Motiv und Größe der Tätowierung mehrere Sitzungen nötig; diese sind aber in ihrer Anzahl im Vergleich zu herkömmlichen Methoden deutlich reduziert.

Während einer Sitzung gibt der leistungsstarke Laser extrem kurze Energieimpulse in die Haut ab. Oft zeigen sich schon nach der ersten Behandlung sichtbare Erfolge; hartnäckige und schwierige Tattoos bedürfen auch bei PicoSure wiederholter Einsätze, um die vorhandenen Farbpigmente komplett zu zerstören.

Kosten einer PicoSure Behandlung

Die Kosten für den Einsatz von PicoSure sind vor allem abhängig von der Größe, Beschaffenheit und Farbgebung der Tätowierung. Eine verbindliche Aussage bezüglich der Gesamtkosten lässt sich daher nicht treffen. Im Allgemeinen ist aber mit Kosten von circa 300 bis 500 Euro pro Sitzung zu rechnen. Diese sind privat zu tragen – eine Übernahme durch die Krankenkasse ist hierbei ausgeschlossen. Ausnahmen werden üblicherweise nur dann genehmigt, wenn schwerwiegende psychische Probleme vorliegen.

Vorteile & Nachteile von PicoSure

Der Vorteil bei einer Tattoo-Entfernung durch PicoSure ist vor allem die deutlich reduzierte Behandlungsfrequenz gegeben. Im Vergleich zu herkömmlichen Behandlungen ergibt sich hier eine um bis zu 70 % reduzierte Häufigkeit der Sitzungen.

Ebenso ist PicoSure im Vergleich zu anderen Methoden wesentlich schmerzfreier – dies liegt primär daran, dass PicoSure beim Zerstören der Farbpigmente vor allem eher auf seine hochenergetischen Lichtimpulse setzt als auf die Erhitzung der einzelnen Partikel. Die Druckwellen fungieren dabei als eine Art „Geschoss“, mit dem die Farbmoleküle gesprengt werden. Auch Christian Köhler vom Prevention Center in Zürich (Schweiz) zeigt sich von der neuen Lasermethode positiv überrascht: „Generell sind die ersten Erfahrungen mit dem Picosure-Laser sehr positiv. Wir können jetzt in einem Arbeitsgang mehrfarbige und großflächige Tätowierungen behandeln.».

Verbrennungen wie bei anderen Laser-Behandlungen sind bei einer Behandlung mit PicoSure nicht oder nur selten gegeben. Rötungen und leichte Schwellungen können gelegentlich auftreten. Bei konsequenter Anwendung einer lokalen Hautpflege sind alle Reaktionen innerhalb kurzer Zeit symptomatisch behandelbar.

Nachteil von PicoSure: Aufgrund des hohen Anschaffungspreises sind deutschlandweit bisher nur wenige Geräte im Einsatz, die auch wissenschaftlich genutzt werden – Interessierte sollten sich daher auf eine lange Wartezeit gefasst machen. Interessenverbände von Tätowierern kritisieren den Einsatz von PicoSure, da der weitere Verbleib der gesprengten Farbpigmente im Körper und Stoffwechsel nicht ausreichend geklärt seien.

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