Vollwertkost, vollwertige Ernährung, Vollwert-Ernährung – Was ist der Unterschied?

Vollwert Salat

Dass Vollwertküche gesund ist, weiß mittlerweile wohl jeder. Doch zu viele Menschen setzen Vollwertküche mit ungenießbarer Rohkost oder unbekömmlicher Körnerkost gleich. Dabei hat diese Ernährungsform weitaus mehr zu bieten als nur Körnerbrei und Vollkornreis. Der Hauptbestandteil bei der Vollwertküche besteht nämlich aus frischen pflanzlichen Lebensmitteln. Insbesondere die Begriffsvielfalt trägt nicht unbedingt zur Klarheit bei: Vollwertige Ernährung, Vollwert-Ernährung und Vollwertkost – wo liegen eigentlich die Unterschiede? Und sind Vollwert-Produkte wirklich so gesund, wie es überall heißt? Um diese Fragen zu beantworten, habe ich mich auf die Suche nach Informationen begeben. Neugierig? Na, dann lesen Sie hier!

Was ist unter Vollwertkost zu verstehen?

Zunächst einmal hat Vollwertkost nichts mit einer speziellen Auswahl an Lebensmitteln zu tun, sondern mit dem Zustand des Verzehrs: Frische und unbehandelte Nahrungsmittel sollen den Vorzug vor Fertigprodukten und stark behandelten Lebensmitteln erhalten. Der Speiseplan wird aber auch mit Vollkornprodukten und Milcherzeugnissen angereichert. So forderte der Pionier der Vollwerternährung Werner Kollath, dass das ganze Lebensmittel zu verzehren sei anstatt nur gewisse Teile davon zu essen. Als Ernährungswissenschaftler war er einer der ersten, der die besondere Bedeutung der Nahrung für die Gesundheit des Menschen erkannte. Auf ihn geht auch die Unterscheidung zwischen Lebensmitteln (=die natürlichen und unbehandelten „Früchte des Feldes“) und Nahrungsmitteln (=verarbeitete und zubereitete Speisen) zurück. Nehmen Sie zum Beispiel einen Apfel: Normalerweise schälen wir die Frucht und lassen das Kerngehäuse mit den Kernen unangetastet. Bei der Vollwertkost hingegen wird die ganze Frucht verputzt, samt Schale und Kerne. Das können Sie ganz leicht auf andere Lebensmittel übertragen. So werden Kartoffeln von echten Vollwertkostlern nicht geschält.

Die Prinzipien der Vollwertkost

Zwei Prinzipien stehen im Mittelpunkt dieser Ernährungslehre: Die Nahrung so natürlich wie möglich zu belassen und industriell verarbeitete Lebensmittel (Zucker, raffinierte Fette und Öle) zu meiden. Der tägliche Verzehr von Getreide, Vollkornbrot, Frischkost und naturbelassenen Fetten (Butter, Sahne, kaltgepresste Öle) ist hingegen zu empfehlen. Vor allem rohe Lebensmittel seien jeglicher gekochter Speise vorzuziehen, da sie naturbelassen und nährstoffreich sind. Kollath glaubte, durch diese Ernährungsweise bestimmte Erkrankungen, die auf einseitige oder falsche Ernährung basieren, vermeiden oder heilen zu können. Allerdings ist die Vollwertkost nach Kollath und seinen Nachfolgern nicht wissenschaftlich anerkannt. Das hat aber nichts mit seinen Empfehlungen für die Auslese an Nahrungsmitteln zu tun, sondern mit einigen irritierenden Aussagen wie „Fett macht nicht fett“.

Was bedeutet vollwertige Ernährung?

Im allgemeinen Sprachgebrauch gilt die Vollwertige Ernährung als Synonym für Vollwertkost. Genau genommen stimmt das aber so nicht. Dieses ernährungsmedizinische Konzept geht auf die Empfehlungen der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) zurück. Hierbei handelt es sich sogar um ein Mischkost-Programm. Zwar stehen auch hier gesunde und möglichst frische Lebensmittel auf dem Speiseplan, doch ist eine schonende Zubereitung nicht verpönt, solange die wertvollen Nährstoffe relativ erhalten bleiben. Der Schwerpunkt liegt vor allem auf einer abwechslungsreichen Kombination der Nahrungsmittel, also einer Ernährungsweise, die die Vielfältigkeit des Nahrungsangebotes nutzt. Zudem muss der Nährstoffgehalt an persönliche Bedürfnisse angeglichen werden. Im Großen und Ganzen sollen diese Regeln, natürlich verbunden mit ausreichender Bewegung, das Wohlbefinden von Körper und Geist steigern und ernährungsbedingte Krankheiten vermeiden.

Was ist die Vollwert-Ernährung?

Dieses Ernährungskonzept nach der sogenannten Gießener Konzeption wurde von den drei Ernährungswissenschaftlern Prof. Dr. Claus Leitzmann, Dr. Karl von Koerber und Thomas Männle entwickelt. Die drei Wissenschaftler arbeiten im Namen der Internationalen Gesellschaft für Nahrungs- und Vitalstoff-Forschung (IVG). In der Gießener Formel heißt es: „Vollwert-Ernährung ist eine überwiegend pflanzliche (lakto-vegetabile) Ernährungsweise, bei der gering verarbeitete Lebensmittel bevorzugt werden. Gesundheitlich wertvolle, frische Lebensmittel werden zu genussvollen und bekömmlichen Speisen zubereitet.“ Natürlich kommt die Bedeutungsähnlichkeit von Vollwert-Ernährung und Vollwertkost nicht von ungefähr, denn die Grundprinzipien orientieren sich in vielen Punkten an Kollaths Empfehlungen. Doch erfahren in der Vollwert-Ernährung auch ökologische und soziale Aspekte Berücksichtigung. Vor allem richtet sich dieses Ernährungsschema an der Wissenschaft aus, nämlich der Ernährungsökologie. Im Klartext bedeutet das: Die IVG berücksichtigt nicht nur die Art der Nahrung und deren Zubereitung, sondern auch biologische Düngebedingungen mit entsprechender Versorgung an Mineralien und Spurenelementen. Auch die gesunde, natürliche Haltung von Nutzvieh und der Bezug von Fair-Trade-Produkten fallen in diesen Rahmen.

Vollwert oder nicht – Sie müssen das Essen gut vertragen

Wie Sie sicherlich schon bemerkt haben, sind die Unterschiede zwischen den vorgestellten Ernährungskonzepten nicht groß. Jedenfalls ist allen gemeinsam, dass pflanzliche und unbehandelte Nahrungsmittel als höherwertig einzustufen sind als industriell verarbeitete. Die kleinen, aber feinen Unterschiede ergeben sich in der Frage, inwieweit Nahrung zubereitet werden darf oder soll. Dass naturbelassene Kost als gesünder anzusehen ist als das, was die Lebensmittelindustrie vertreibt, ist wohl weitestgehend richtig. Aber: es gibt viele Menschen, die rohe Lebensmittel oder Speisen nicht vertragen. Und es gibt Lebensmittel, die nur gekocht bekömmlich sind. Jedem sei zunächst einmal angeraten, seinen individuellen Verträglichkeits-Grad in Bezug auf Rohkost selbst zu ermitteln und seine Vollwertküche darauf abzustimmen. Egal, was selbsternannte Vollwert-Gurus mit ihrem Rohkost-Fanatismus sagen – gesund ist Essen nur, wenn Sie es auch vertragen.

Was macht die vollwertige Küche so gesund?

Die Vorteile einer vollwertigen Ernährung sind ohne weiteres ersichtlich: Sie nehmen wesentlich mehr Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe mit Ihrer Nahrung auf und leiden weniger an Mangelerscheinungen. Selbst das Risiko für Knochenschwund sinkt erheblich.

Ohnehin enthalten industriell verarbeitete Lebensmittel meist künstliche Vitamine und unerforschte Zusatzstoffe, deren Langzeitwirkungen auf den Körper noch nicht genügend erforscht sind. Zudem erweist sich ein vollwertiges Ernährungskonzept auch als praktische Diätmethode. Trotz weniger Nahrung erlangen Sie viel schneller ein natürliches Sättigungsgefühl. Dies liegt vor allem daran, dass der Körper länger braucht, um vollwertige Nahrung aufzuarbeiten. Dafür steht Ihnen die gewonnene Energie länger zur Verfügung und steigert im Allgemeinen Ihr Wohlbefinden.

Allerdings bedeutet das nicht, dass Sie bei der Vollwertküche nach Lust und Laune zuschlagen können, denn der hohe Nährstoffgehalt hat es in sich. Was Sie aber tun können, ist mit gutem Gewissen genießen: Auch wenn die vollwertige Kost kein Zaubermittel darstellt, um Ihre Pfunde purzeln zu lassen, so ist sie zumindest sehr vitaminreich und gesund.

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