Zeckenbiss erkennen und behandeln

Zeckenbiss

Beim umgangssprachlichen Zeckenbiss handelt es sich eigentlich um einen Zeckenstich, den sich Betroffene vorwiegend in den wärmeren Monaten zuziehen können. Bei der Gartenarbeit, einem Spaziergang oder einem Aufenthalt im Freibad ist es schnell passiert. Die Zecke sticht, beißt sich in die Haut und saugt sich voll mit Blut. Wird der Parasit in dieser Phase entdeckt, lässt er sich einfach entfernen. Fällt die Zecke hingegen ab, bemerkt der Gestochene den Zeckenstich selten, da er einem Mückenstich ähnelt.

Zecken richtig entfernen

Ein Zeckenstich ist kein Notfall. Bis gefährliche Bakterien und Viren vom Darm des Parasiten in den Saugapparat gelangen, dauert es mindestens zwei Stunden. Es verbleibt also ausreichend Zeit, um die Zecke mit einem entsprechenden Werkzeug zu entfernen oder aber einen Arzt aufzusuchen, der die Entfernung des Schädlings übernimmt.

Vor einigen Jahren noch wurden verschiedene Hausmittel zur Zeckenentfernung verwendet. Jedoch kann der Einsatz von Klebstoff, Alkohol, Teer, Öl, Nagellack oder sonstigen chemischen Substanzen dazu führen, dass sich die Zecke in die Einstichstelle übergibt. Infolge dessen besteht die Gefahr, dass Bakterien und Viren übertragen werden. Auch das manuelle Herausdrehen wird nicht empfohlen, da Teile der Zecken in der Haut stecken bleiben können.

Werkzeuge zum Zecken entfernen

Eine Zecke muss mit sehr viel Fingerspitzengefühl entfernt werden. Am besten eignet sich eine spezielle Zeckenzange. Hiermit wird der Schädling nah am Mundwerkzeug gegriffen und langsam herausgezogen. Eine herkömmliche Kosmetikpinzette ist für die Entfernung nicht geeignet, da sie den Körper bzw. den Kopf der Zecke nicht richtig umgreifen kann und der Parasit zerquetscht wird. Ein ebenso passendes Hilfsmittel ist die sogenannte Zeckenkarte. Der Körper des Schädlings wird in die V-förmige Öffnung der Zeckenkarte geklemmt. Danach wird die Plastikkarte langsam nach vorn und nach oben gezogen, damit sich der Kiefer der Zecke löst.

Nachdem die Zecke entfernt wurde, sollte die Einstichstelle mit Alkohol oder Jod desinfiziert werden. Häufig kommt es vor, dass Reste des Schädlings in der Haut zurückbleiben. Hierbei handelt es sich um Teile des Stechapparates, die nach einiger Zeit von allein abgestoßen werden. Wird jedoch festgestellt, dass sich noch der gesamte Kopf des Parasiten in der Haut befindet, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden, da dieser ein erhöhtes Gesundheitsrisiko darstellt.

Erste Anzeichen nach einem Zeckenbiss erkennen

Zecken gehören zu den Spinnentieren und besitzen einen rundlichen Körper, einen winzigen Kopf sowie ein großes Rückenschild. Der Stich der Zecke verursacht keine Schmerzen, da sie während des Blutsaugens einen schmerzstillenden Stoff absondert. Fällt der Parasit ab, ist es schwer, die Einstichstelle zu erkennen und richtig zuzuordnen, denn im Gegensatz zu einem Mückenstich, juckt die Einstichstelle nicht.

Erste Symptome nach einem Zeckenstich können minimale Schmerzen an der Einstichstelle sein. Auch ein leichtes Jucken und Kribbeln ist möglich. Nach ungefähr 12 bis 24 Stunden kann es zu einer leichten Schwellung der Einstichstelle kommen.

Der Zeckenstich muss unbedingt mehrere Tage beobachtet werden, denn Veränderungen können auf eine Infektion hindeuten. Ratsam ist es, die Einstichstelle zu markieren, beispielsweise mit einem wasserfesten Marker.

Zeckenstich-Symptome, die auf eine gefährliche Infektion hinweisen

Rötet sich die Haut bei einem Zeckenbiss, kann dies eine einfache Hautreaktion oder aber ein Hinweis auf eine schwerwiegende Infektion sein. Mediziner unterscheiden hier zwischen unterschiedlichen Rötungen.

Nach dem Zeckenbiss bildet sich um die Einstichstelle ein roter Hof. Das bedeutet, dass sich die körpereigenen Abwehrmechanismen gegen den Parasiten wehren. Infolgedessen verfärbt sich die Stelle rot und schwillt ein wenig an. Diese Körperreaktion ist zunächst harmlos, wenn der Radius dieser Rötung bis maximal ein Zentimeter beträgt. Nimmt die Rötung nach Stunden oder Tagen zu, kann es sich um eine Folgeinfektion handeln, die durch bakterielle Erreger verursacht wird. In der Regel zeigen sich bedrohliche Infektionen mindestens sieben Tage nach dem Zeckenstich.

Borreliose-Erkrankung durch Zeckenbiss

Die Borreliose wird durch das Bakterium Borrelia burgdorfen ausgelöst und ist in Deutschland die häufigste durch Zecken übertragbare Erkrankung. Seit über 100 Jahren ist die Existenz der Krankheit bekannt. Doch erst im Jahre 1982 entdeckte der US-amerikanische Parasitologe und Bakteriologe Wilhelm Burgdorfer, dass Borreliose durch bestimmte Bakterien ausgelöst wird. Diese leben im Darm der Zecke. Jedes Jahr erkranken in Deutschland Zehntausende Menschen an Borreliose.

Die Symptome der Borreliose können vielseitig sein, weshalb es schwierig ist, diese Erkrankung zu diagnostizieren. Charakteristisch ist hier die Wanderröte (Erythema migrans), die sich in ringförmigen Hautrötungen rund um den Zeckenbiss zeigt und nach Tagen oder Wochen auftritt. Allerdings tritt die Wanderröte nicht immer auf. Neben der Wanderröte können auch Allgemeinsymptome wie Kopfschmerzen, Fieber, Abgeschlagenheit, Herzprobleme, Schmerzen, Gesichtslähmung und Hirnhautentzündung auftreten. Im chronischen Spätstadium der Borreliose kann es außerdem zu Gelenkentzündungen kommen.

Wie wird die Borreliose übertragen?

Die Borrelien siedeln sich im Mitteldarm der Zecke an und es dauert eine gewisse Zeit, bis sie in das Blut gelangen. Das Risiko, an einer Borreliose zu erkranken, ist umso niedriger, je schneller der Parasit entfernt wird. Außerdem erkrankt nicht jeder Betroffene. Oftmals gelingt es dem Körper, die Bakterien abzuwehren.

Eine Impfung gegen die Borreliose existiert aktuell noch nicht. Betroffene können sich auch mehrfach infizieren und an unterschiedlichen Stadien der Erkrankung leiden. Laut dem Robert-Koch-Institut tragen je nach Region 5 bis über 35 Prozent der Zecken die gefährlichen Bakterien in sich. Die Wahrscheinlichkeit der Ansteckung mit Borrelien liegt zwischen 1,5 bis 6 Prozent. Lediglich 0,5 bis 1,5 Prozent erkranken tatsächlich an Borreliose. Ansteckend ist die Borreliose nicht.

Verlauf der Borreliose-Erkrankung

Wenn die Borreliose nicht erkannt und behandelt wird, verläuft sie in den folgenden Stadien:

  • Frühborreliose (Stadium I): Typisch für das Anfangsstadium, das bis zu drei Monaten nach dem Zeckenbiss auftritt, sind allgemeine Abgeschlagenheit, grippeähnliche Symptome, übersteigerte Müdigkeit, Wanderröte, geschwollene Lymphknoten in Stichnähe, schmerzende Glieder und Muskeln.
  • Frühes disseminiertes Stadium (Stadium II): Die Erreger breiten sich im Körper aus und befallen Gewebe und Organe. Infolgedessen können sich Herzmuskel und Hirnhaut entzünden. Die Symptome unterscheiden sich, abhängig davon, welche Körperbereiche von den Erregern befallen sind. Mögliche Symptome sind Entzündung der Nerven, Lähmung der Gesichtsnerven, Rötungen über den ganzen Körper, Schwellung der Gelenke, Beeinträchtigungen des Bewegungsapparates sowie beeinträchtigte kognitive und psychische Fähigkeiten.
  • Spätstadium (Stadium III): In diesem Stadium ist die Borreliose meist chronisch und kann tödlich enden. Häufig tritt eine chronische Hautentzündung (ACA) auf. Ein weitverbreitetes Symptom sind auch Entzündungen der großen Gelenke. Hinzu kommen Wesensveränderungen, chronische Erschöpfung, Stimmungsschwankungen sowie Verschlechterung des Allgemeinzustandes.

Da die Borreliose über Bakterien ausgelöst wird, erhalten Betroffene im Frühstadium Antibiotika. Vor allem im Frühstadium lässt sich die Erkrankung gut antibiotisch behandeln. In den späteren Stadien erfolgen Antibiotikagaben durch regelmäßige Infusionen.

FSME-Erkrankung durch Zeckenbiss

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird durch den Flavivirus übertragen, der durch den Zeckenstich in das Blut gelangt. Die Erkrankung ist nicht ansteckend. In Deutschland sind 0,1 bis 5 Prozent der Zecken mit diesem Virus infiziert. Zu den deutschen Risikogebieten gehören Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Hessen. Das Risiko, nach einer Virusübertragung zu erkranken, beträgt etwa 25 Prozent. Somit tritt eine FSME bei einem von 150 Zeckenbissen auf.

Bei den meisten Patienten zeigt die Erkrankung einen einheitlichen Verlauf. Es dauert in der Regel ungefähr 10 Tage, bis sich erste Symptome bemerkbar machen. Typisch ist hier der zweiphasige Krankheitsverlauf. Erst treten grippeähnliche Symptome mit Kopfschmerzen, Erbrechen, Schwindel und Fieber auf. Anschließend sinkt das Fieber für etwa 20 Tage und es kommt zu einer Entzündung der Hirnhäute und des Gehirns. Zu einem schweren Krankheitsverlauf mit lebensbedrohlichen Symptomen wie Bewusstseinsstörungen und Atemlähmung kommt es ungefähr bei jedem zwanzigsten Patienten.

Eine spezifische Therapie gibt es leider nicht, weshalb die Behandlung der Erkrankung nicht leicht ist. Ziel der Therapie ist es, die akuten Beschwerden zu lindern Schmerzen und gleichzeitig Langzeitschäden zu verhindern. Einen zuverlässigen Schutz vor FSME bietet eine spezielle Impfung.

Was ist die Zecken-Taubheit?

Zu den nach einem Zeckenbiss auftretenden Komplikationen gehören in seltenen Fällen auch Lähmungserscheinungen, die sich nach fünf bis sieben Tagen zeigen. Betroffene fühlen sich zunächst müde und abgeschlagen. Im weiteren Verlauf kommt es zu Taubheitsgefühlen und Kribbeln in den Beinen sowie schubartigen Muskelschmerzen. Zeigen sich diese Symptome, wird von der Zecken-Taubheit oder Zeckenlähmung gesprochen. Diese wird von über 40 unterschiedlichen Zeckenarten weltweit übertragen. In Europa kommen Zeckenlähmungen jedoch ausgesprochen selten vor.

Vorranging betrifft die Zeckenlähmung Haus- und Nutztiere. In den USA existieren einige dokumentierte Fälle. Kinder unter 10 Jahren waren hier betroffen und starben an der Lähmung, die von weiblichen, mit Eiern beladenen Zecken verursacht wird. Die Speicheldrüsen des Spinnentieres bilden während des Blutsaugens ein Nervengift (Neurotoxin). Weibliche Zecken benötigen, im Gegensatz zu männlichen Tieren, bis zu 10 Tage, um den Prozess des Blutsaugens zu beenden. Zwischen dem 5. und 7. Tag dieses Prozesses geben sie die höchsten Dosen des Nervengiftes an den Wirt ab. Lässt der Schädling von seinem Opfer ab, klingen die Beschwerden wieder ab. Nur in sehr seltenen Fällen kommt es zu tiefgreifenden Lähmungserscheinungen.

Die einzige Behandlungsmethode der Zeckenlähmung besteht darin, den Parasiten sofort zu entfernen. Nach dem Aufenthalt im Freien ist es also wichtig, sich und Haustiere gründlich nach den Spinnentieren abzusuchen, damit die Zeckenweibchen ihre Eier nach dem Abfallen nicht im Haus oder Garten ablegen können.

Zeckenbiss: wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?

Der Großteil der Zeckenbisse verläuft ohne Komplikationen. Ein Arzt sollte unbedingt aufgesucht werden, wenn noch ein Teil des Schädlings in der Haut steckt oder sich scharf umrandete Rötungen bilden. Gefährlich sind Rötungen mit Ringen oder auch grippeähnliche Symptome. Ebenso gehört ein eiternder Zeckenstich in ärztliche Behandlung.

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