Ayurvedische Morgenroutine nach der Dinacharya Gewöhnen Sie sich an, täglich ein kleines Ayurveda Morgenritual zur Reinigung, Harmonisierung und Aktivierung durchzuführen, und spüren Sie große Veränderung. Einfache Maßnahmen wie die ayurvedische Zungenreinigung lassen sich ohne Weiteres in den morgenlichen Tagesablauf integrieren. Lesen Sie hier, wie Ihre ayurvedische Morgenroutine aussehen kann!

Ayurvedisches Morgenritual – die warme Tasse Wasser

Ayurvedische Morgenroutine: Früh aufstehen, sichert einen schwungvollen Start in den Tag

Wie der Mensch seinen Tagesablauf gestaltet, wann er aufsteht, wann er zu Bett geht, welche Rituale er damit verbindet, wann und was er tut – all das beeinflusst das Wohlbefinden ganz entscheidend, so die Botschaft des Ayurveda. Wer die Regeln der Dinacharya, den ayurvedischen Empfehlungen für die tägliche Routine, beachtet, ist auf dem richtigen Weg. Um sich gleich nach dem Aufstehen etwas Gutes zu tun, wird bereits der morgendlichen Körperhygiene besondere Aufmerksamkeit zuteil. Denn ein ayurvedisches Morgenritual als Start in den Tag schafft eine solide Grundlage, aktuellen Herausforderungen mit Stärke und Gelassenheit zu begegnen. Die erste Regel der Dinacharya lautet ganz global: früh aufstehen – idealerweise vor 6 Uhr, das gilt vor allem für Kapha-Konstitutionen. Denn danach beginnt die morgendliche Kapha-Zeit des Tages, in der sich Schwere und Trägheit ausbreiten und das Aufstehen mühsamer machen. Pitta-Menschen können mit Sonnenaufgang und Vata-Menschen etwas später ihren Nachtschlaf beenden. Dann folgt ein Reinigungsprogramm, das über die Standards hierzulande weit hinausgeht.

Warmes Wasser kurbelt Agni (Stoffwechsel) an

Unmittelbar nach dem Aufstehen sollte als erster Schritt der ayurvedischen Tagesroutine am Morgen eine große Tasse warmes Wasser getrunken werden, heißt es in der Dinacharya. Dies soll das Agni, auf Deutsch Verdauungsfeuer, entfachen. Das Wasser wird kurz aufgekocht und auf Trinktemperatur abgekühlt, alternativ mit kaltem Wasser gemischt. Das Trinken spült die Körperkanäle – im Ayurveda Srotas genannt, regt die Verdauung und Ausscheidungsprozesse an. Idealerweise kann danach nicht nur die Blase, sondern auch der Darm entleert werden. Das ist wichtig, um die Verdauungsorgane nach der nächtlichen Ruhe auf das Frühstück vorzubereiten. Doch vor der ersten Mahlzeit des Tages gibt es noch einiges in der Morgentoilette zu erledigen.

Gründliche ayurvedische Zungenreinigung entfernt nächtliche Ablagerungen

Die ayurvedische Mundhygiene beginnt mit der Jiva Sodhana, der Zungenreinigung. Dazu wird mit einem Zungenschaber aus Edelstahl, alternativ einem Teelöffel, der Belag von der Zunge entfernt. Einfach den Schaber/Löffel mehrmals mit sanftem Druck vom Zungengrund nach vorn ziehen und unter fließendem Wasser abspülen. Das Schaben befreit die Zunge von Ama, sogenannten Ablagerungen, die sich über Nacht angesammelt haben.

Gandusha stärkt Mundschleimhaut und Zähne

Nun ist es Zeit für das Ölziehen, auf Sanskrit Gandusha. Dafür wird ein Esslöffel Öl im Mundraum hin- und her bewegt und durch die Zähne gezogen, empfiehlt der Ayurveda. Nach fünf bis zehn Minuten wird das Öl durch diese Prozedur weißlich und sollte ausgespuckt werden – am besten in ein Papiertaschentuch, nicht in den Ausguss. Dann wird der Mund mit warmem Wasser ausgespült.

Entgiftung des Körpers mit ayurvedischer Morgenroutine anregen

Aus ayurvedischer Sicht pflegt die regelmäßige Gandusha nicht nur Mundschleimhaut und Zähne, sondern unterstützt obendrein die Entgiftung des Körpers. Es stärkt die Kaumuskeln, fördert die Geschmackswahrnehmung und soll den Allgemeinzustand verbessern. Verwendet werden kann Sesamöl – auf Bio-Qualität achten. Dieses wird bei einer Temperatur von 100 bis 110 Grad Celsius kurz gesiedet oder gereift, wie es im Fachjargon heißt. Derart vorbereitet dringt es besonders gut in die Haut ein, wird in ayurvedischen Schriften hervorgehoben. Geeignet sind auch Sonnenblumen- und Kokosöl. Zudem gibt es spezielle Gandusha-Öle, denen Kräuterextrakte beigefügt sind.

Ayurvedische Zahncreme wirkt natürlich und sanft

Mit dem Zähneputzen wird die Mundhygiene abgeschlossen. Ayurvedische Zahncremes ohne chemische Schaumbildner und Fluoride entfernen schädliche Beläge natürlich und sanft. Die Mixtur aus Pflanzenextrakten und Kräutern erfrischt, reinigt und pflegt zugleich. Empfindliches Zahnfleisch wird beruhigt, Zahnfleischbluten vorgebeugt, so die Erfahrung von Ayurveda-Experten. Es empfiehlt sich, weiche Zahnbürsten zu verwenden. Ergänzend kommen Zahnseide oder Interdentalbürsten zum Einsatz.

Nasya reduziert Schleimbildung

Wer erkältet war, hat sicher schon einmal eine Nasenspülung ausprobiert, um die Nasenschleimhäute zu reinigen. Im Ayurveda wird die Nase selbst dann gespült, wenn keine Erkrankung vorliegt. Denn diese Art der Reinigung, die im Sanskrit Nasya heißt, stärkt das Gewebe, reduziert starke Schleimbildung (Kapha) und befreit die Nase von Keimen und Reizstoffen. Die Nasya folgt idealerweise auf die Mundpflege. Das Gefäß für die Spülung wird mit lauwarmen Wasser gefüllt, dem Salz zugesetzt ist. Idealerweise werden fertige Nasenduschen (z. B. von Emser) verwendet.

Temperatur und Salzkonzentration sind so auszuwählen, dass die Nasenschleimhäute nicht gereizt werden. Pro Nasenloch wird ein Viertel Liter Wasser verwendet. Es ist ratsam, die Nasenlöcher im Anschluss an die Spülung mit ayurvedischen Butterfett (Ghee) oder Sesamöl zu benetzen.

Morgendliche Abhyanga pflegt, kräftigt und nährt

Bevor es ans morgendliche Duschen geht, ist in der ayurvedischen Dinacharya eine Abhyanga, eine Selbstmassage mit warmem Öl ein Muss. Abhyanga lässt sich als „eine besondere Bewegung um etwas“, „als große Einölung“ übersetzen. Der ganze Körper – auch hinter den Ohren und zwischen den Zehen – wird eingeölt. Dabei wird mit sanftem Druck gearbeitet, der als angenehm empfunden wird.

Kopf

Los geht es bei der Abhyanga in Selbstregie mit dem Kopf. Die Kopfhaut wird vom Mittelscheitel ausstreichend mit leicht kreisenden Bewegungen eingeölt. Dann ist die Stirn an der Reihe. Wieder wird in kreisenden Bewegungen massiert – von der Mitte aus nach außen.

Gesicht und Hals

Nun kommt das ganze Gesicht, von der Nase über die Wangen, Lippen und das Kinn, an die Reihe. Die Ohren und die Haut dahinter nicht vergessen. Ayurvedische Anleitungen raten, den Hals mit Auf- und Abwärtsstreichungen zu massieren.

Arme und Hände

Es folgen die Arme mit den Händen, wobei die großen Muskeln an ihren Konturen von oben nach unten vorsichtig ausgestrichen werden. Bei den Händen jeden Finger vom Handrücken aus bis zur Fingerkuppe mit dem Daumen sanft ausstreichen.

Rumpf

An Brustkorb und Schulter wird anschließend in großen Kreisen massiert, vom Brustbein nach außen. Der Bauch wird ausgehend vom Bauchnabel spiralenförmig im Uhrzeigersinn umkreist. Wirbelsäule und Rücken werden ab dem Steißbein nach oben hin eingeölt, ohne Druck auf die Wirbelsäule auszuüben. Einfach so weit massieren, wie die Arme bewegt werden können.

Beine und Füße

Zunächst wird der Po in kreisenden Bewegungen im Uhrzeigersinn massiert. Dann wird mit beiden Händen von oben nach unten erst das rechte, dann das linke Bein ausgestrichen. Achtung: Gelenke (Knie und Fuß) nur umkreisen. Die Füße mit Streichungen vom Fußspann zu den Zehen verwöhnen. Zwischen den Fußknochen in kleinen Kreisen arbeiten, die Zehen ausstreichen. Nun ist die Abhyanga beendet.

„Durch Ölmassagen erhält der Mensch eine schöne Haut, die Glieder werden geschmeidig, man altert nicht so schnell, wird stark und schön anzusehen“, ist in einem alten Text aus dem Ayurveda nachzulesen.

Die Auswahl an speziellen ayurvedischen Ölzubereitungen, den Thailam,  ist groß. Allgemein gut verträglich sind Sesam- oder Mandelöl. Hierbei auf Bio-Qualität achten. Idealerweise sollte das Öl mindestens zehn Minuten in die Haut einziehen können.

Es folgt eine heiße Dusche!

Das Öl wird abgeduscht, wobei das Wasser möglichst heiß sein sollte, um die Hautporen gut zu öffnen. PH-neutrale Waschlotion oder Seife ist zu bevorzugen.

Dinacharya am Morgen – Tipps aus der Ayurveda Praxis

Wie soll man dieses ayurvedische Morgenprogramm schaffen? Zugegeben, das alles klingt zunächst nach viel Aufwand. Doch der lässt sich in Grenzen halten, wenn man die Abläufe ein wenig optimiert. Hier ein paar Tipps für die Dinacharya:

  • während der Gandusha (Ölziehen) schon das Frühstück vorbereiten,
  • auf Nasya (Nasenspülung) kann verzichten, wer keine Probleme wie starke Schleimbildung, Neigung zu Erkältungskrankheiten oder Heuschnupfen hat,
  • Abyhanga (Ölmassage) vor Ölziehen, Zähneputzen und Nasenspülung einplanen. Es ist immer noch besser für die Ölmassage nur einige Minuten zu erübrigen, als gänzlich auf sie zu verzichten

Letztlich sorgt Routine für einen schnellen Ablauf. Und wer einmal die wohltuenden Effekte der ayurvedischen Morgentoilette  gespürt hat, wird bestimmt nicht mehr auf diese verzichten wollen.

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